Universitätsspital Basel

Universitätsspital Basel

Kontaktperson / Programmleitung:

Dr. phil. Marina Sleptsova Schwander
Hebelstrasse 2
4031 Basel

Tel. +49 (0)61 265 38 01 / Fax. +49 (0)61 265 32 28

email: marina.sleptsova@usb.ch

 

 

Universitätsspital Basel
Spitalstrasse 21
4031 Basel

Tel. +49 (0)61 265 25 25
www.unispital-basel.ch

TEAM

Für die effektive Umsetzung des Programmes ist die Programmleiterin direkt einem Spitalleitungsmitglied unterstellt. Daneben ist eine Doktorandin, welche Medizinethnologin ist und im Rahmen des PhD Programms der medizinischen Fakultät der Universität Basel promoviert. Sie führt im Rahmen ihrer Dissertation eine Spitalethnographie durch.

Das Advisory Board und die Fachgruppe unterstützen die Arbeit im Programm.Um einen engen Dialog zwischen dem Programm und der Klinik sicherzustellen wurde die Zusammensetzung des Advisory Boards und der Fachgruppe so gestaltet, dass die verschiedenen Berufsgruppen und Bereiche/Ressorts jeweils vertreten sind und somit die Bedürfnisse der Praxis integriert werden können. Beide Gruppen werden aktiv genutzt um ausgearbeitete Massnahmen in die Klinik zu tragen. Die Mitglieder der Fachgruppe sind aktiv in der Ausarbeitung von Massnahmen beteiligt.

AUFGABE

Die demographische Entwicklung der ausländischen Wohnbevölkerung des Kantons Basel-Stadt bildet sich identisch im Universitätsspital Basel ab. Während 2012 der Anteil der ausländischen Bevölkerung im Kanton Basel-Stadt bei 34% aus 160 Nationen lag, war der Anteil der ambulanten Patientinnen und Patienten ohne Schweizer Nationalität am Universitätsspital Basel bei 35.6%. Je nach Klinik liegt dieser Anteil deutlich höher. Diese Zahlen sind im Verlauf steigend und bilden längst eine „Realität“ im Spitalalltag. Der Spitalalltag wird somit durch eine Vielzahl an Sprachen und damit verbundenen Sprachbarrieren und einer hohen Varianz im Aufenthaltsstatus und sozio-ökonomischen Charakteristika bestimmt. Diese Varianz reicht von so genannten Sans-Papiers, über Hilfsarbeitskräfte mit geringem Bildungshintergrund bis hin zum Akademiker, beispielsweise von einem Pharmakonzern. Doch auch französischsprachigen Patientinnen und Patienten aus Nachbarkantonen gehören hier dazu. Auf diese Entwicklungen gilt es in der Gesundheitsversorgung zu reagieren und diese Vielfalt zu adressieren.

Zur Sicherung der Nachhaltigkeit und Weiterentwicklung bereits erfolgter Massnahmen im Rahmen der Bundesstrategie „Migration und Gesundheit“ wurde am Universitätsspital das Programm „Diversity Management“ als Grundlage einer sogenannten diversitätsspezifischen Organisationsentwicklung etabliert. Für die konzeptionelle Ausarbeitung des Programmes wurde durch die einjährige Teilnahme am Disparities Leadership Program, Massachusetts General Hospital, Boston hochrangige Expertise einbezogen. Für nähere Informationen zum Programm und dessen Inhalte siehe bitte unter „Themen“.

Beim Ansatz der „Diversität“ werden die Vielfalt und deren Ressourcen ins Zentrum gestellt. Durch die gleichzeitige Einführend des Begriffes Chancengleichheit wird verdeutlicht, welcher Umgang mit der vorhandenen Vielfalt angestrebt wird. Durch „Diversity Management“ wird ein positiver Umgang mit kulturellen, sozialen und sprachlichen Differenzen angestrebt um hierdurch ein erfolgreiches Handeln für die Institution, deren Patientinnen und Patienten sowie Mitarbeitende zu erzielen. Mit dem Begriff „Diversity Management“ wird nicht nur ein anderer Diskurs, sondern auch ein neues Konzept und Umgang mit der Vielfalt eingeführt.

Im Zentrum des Programmes „Diversity Management“ am Universitätsspital Basel steht die Dienstleistung am Patienten. Das Hauptziel ist, dass eine qualitativ hochstehende Gesundheitsversorgung und hohe Zufriedenheit für alle Patientinnen und Patienten gewährleistet ist, unabhängig von deren Nationalität, Kultur und Sprache. Unterstützt wird dieses Ziel durch spitalübergreifende und spezifische Interventionen, durch Fort- und Weiterbildungen und universitäre Lehrangebote, um die Professionalität des Umganges mit diesen Patientinnen und Patienten zu fördern. Daneben ist es Ziel diversitätsbezogene Forschung zu fördern und für die klinische Praxis zu nutzen und gesundheitspolitische Daten zum Nutzen des Programmes zu erzeugen. Entsprechende Massnahmen gehören zu Bereichen wie der Kommunikation, der transkulturellen Kompetenz und der Forschung.

Bei der Einführung eines solchen neuen Konzeptes wird häufig die Frage nach dem ökonomischen Nutzen gestellt und in welcher Form diese Massnahmen eine Verbesserung der Versorgungsqualität darstellen. Daher ist ein zentrales Element des etablierten Programmes begleitend Forschung durchzuführen. Diese untersucht die Wirksamkeit von Versorgungsmassnahmen unter Alltagsbedingungen um neue Lösungsansätze für eine qualitativ hochstehende Gesundheitsversorgung zu finden, die den heutigen gesellschaftlichen Anforderungen gerecht werden. Im Fokus stehen dabei insbesondere Aspekte wie Qualitätssicherung und Patientensicherheit (z.B. Informed Consent bei fremdsprachigen Patientinnen und Patienten) und Untersuchung von Versorgungsinteraktionen (z.B. ärztliche Entscheidungsfindung), jedoch auch Wirtschaftlichkeit, Wirksamkeit und Zweckmässigkeit von Interventionen. Des Weiteren wird eine Studie (Spitalethnographie) zur Kommunikation und Interaktion zwischen Patientinnen und Patienten ausländischer Herkunft und USB-Mitarbeitenden im Kontext des Patientenprozesses durchgeführt.

Seit über 25 Jahren besteht ein Dolmetscherdienst am Universitätsspital Basel (siehe unter Publikationen „Dolmetscherdienste im USB“). Während zu Beginn im Jahr 1987 lediglich Dolmetschende für Türkisch zur Verfügung standen sind es heute 75 verschiedene Sprachen. Durch die Einführung des Telefondolmetscherdienstes wird am Universitätsspital Basel ein zusätzliches Angebot etabliert das durch die schnelle Verfügbarkeit professioneller Dolmetscherinnen rund um die Uhr an 7 Tagen die Woche eine wichtige Ergänzung zu Dolmetschenden vor Ort darstellt. Insgesamt sind Angebot und Nachfrage des Dolmetscherdienstes über die Jahre hinweg kontinuierlich gestiegen.

Durch die Entwicklung eines Gesamtkonzeptes zur Nutzung der Dolmetscherdienste mit Einsatz- und Organisationsregeln und der Qualitätssicherung (siehe unter Publikationen „Universitätsspital Basel Handlungsleitfaden“) sowie spezifischer Fortbildungsveranstaltungen, wird die Professionalität der Mitarbeitenden im Umgang mit fremdsprachigen Patientinnen und Patienten erhöht. Im USB-Bildungsprogramm werden für Spitalmitarbeitende und für Interessierte von ausserhalb, regelmässig Fort-/und Weiterbildungsveranstaltungen angeboten. Diese beinhalten die Zusammenarbeit mit professionell Dolmetschenden, den Einsatz von Mitarbeitenden als Dolmetschende und die Nutzung der professionellen Dol-

metscherdienste (siehehttp://www.unispital-basel.ch/weiterbildungsprogramm/usbcourses). Damit der Dolmetschereinsatz optimal und qualitativ hochstehend genutzt werden kann, ist die Kurzanleitung für erfolgreiche Gespräche zwischen Patient, Dolmetschendem und Gesprächsführendem von grossem Nutzen, welche von der Abteilung Psychosomatik Medizin im Hause in Zusammenarbeit mit der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaft (ZHAW) erstellt wurde (siehe unter Punblikationen „Patient-Dolmetscher-Fachperson“). Zudem werden Schritte definiert um die zuverlässige administrative Datenerhebung der Schriftsprache für die Abgabe von fremdsprachigen, schriftlichem Material (z.B. Zufriedenheitsbefragung in verschiedenen Sprachen) sicherzustellen. Insbesondere sind beispielsweise Aufklärungsbögen zu operativen Eingriffen in verschiedenen Sprachen verfügbar.

Eine kritische Auseinandersetzung mit dem Konzept der (trans-)kulturellen Kompetenz stellt eine wichtige Voraussetzung für dessen erfolgreiche Einführung und Umsetzung in die klinische Praxis dar. Durch entsprechende Fortbildungen wird die Professionalität und (trans-)kulturelle Kompetenz der Mitarbeitenden im Umgang mit Patientinnen und Patienten unterschiedlichster Herkunft, Kultur und Sprache gefördert (siehe http://www.unispital-basel.ch/weiterbildungsprogramm/usbcourses).

Ergänzend zu genannten Fortbildungsangeboten sind entsprechende E-Learning Tools verfügbar. Neben der Vermittlung von (trans-)kultureller Kompetenz gilt es die systematische Umsetzung in die klinische Praxis zu fördern, indem beispielsweise Lösungsansätze zu auftretenden Problemstellungen im pflegerischen und ärztlichen, als auch administrativen Alltagaufgezeigt werden (siehe unter Publikationen „Patient Education and Counselling“). Dies wird durch die Ausarbeitung und Etablierung spezifischer klinischer Dienstleistungsangebote wie eines „kultursensitiven“ Konsiliardienstes und einer Spezial-Sprechstunde unterstützt.

Um die Professionalität und die transkulturelle Kompetenz der Studierenden im Umgang mit Patientinnen und Patienten unterschiedlichster Herkunft, Kultur und Sprache zu fördern wurde ein entsprechendes Modul im Medizinstudium eingeführt.